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Das Matterhorn: ein Berg, ein Seil – Von JOHN HEILPRIN, CARLO PISANI, swissinfo.ch

By | July 13, 2015

Komentet

Das Matterhorn: ein Berg, ein Seil – Von JOHN HEILPRIN, CARLO PISANI, swissinfo.ch

150 Jahre Erstbesteigung Matterhorn

“Wäre das Seil am Matterhorn nicht gerissen, würde ich nicht existieren.”

Matthias Taugwalder spricht nüchtern über den berühmten Bergsteiger-Unfall vor genau 150 Jahren, der nichts weniger als seine Existenz hätte auslöschen können. Der Schweizer Fotograf kauert in einem baufälligen Holzhaus unterhalb des Walliser Bergdorfs Zermatt und betrachtet den alten und verschimmelten Ofen, die Betten und einen Schreibtisch, die einst seinem Ur-Urgrossvater gehört hatten.

Hier entschloss sich Peter Taugwalder Junior, nach einem halben Jahrhundert des Nachsinnens, einen Augenzeugenbericht über die tragische Erstbesteigung des 4478 Meter hohen Matterhorns im Jahr 1865 zu schreiben.

Für den 34-Jährigen Matthias Taugwalder, Nachkomme von Peter Junior und Zermatter Bürger, war das letzte Jahr geprägt von seinem Versuch, mehr Licht in das alte Geheimnis eines gerissenen Seils zu bringen. In Erwartung des 150-Jahr-Jubiläums der historischen Erstbesteigung vom 14. Juli 1865 verwandelte Taugwalder seine Leidenschaft für die Panorama-Fotografie und Multimedia-Geschichten in etwas, was eher der Arbeit eines Detektivs gleicht.

Er durchforschte das Staatsarchiv und jedes Stück Papier, das er finden konnte, um die Abfolge jener Ereignisse besser zu verstehen, die dazu führten, dass die beiden Zermatter Bergführer Vater und Sohn Peter Taugwalder sowie der britische Bergsteiger Edward Whymper die einzigen Überlebenden der Erstbesteigung waren. Als das gerissene Seil sie rettete, war der jüngere Taugwalder erst in seinen frühen 20er-Jahren – und noch nicht Vater. “Wenn das Seil bei der ersten Besteigung nicht gerissen wäre, würde ich wahrscheinlich nicht existieren”, sagt Ur-Urenkel Matthias.

Taugwalder, der in Zermatt aufgewachsen ist, sog die Familiengeschichte auf und fühlte bereits in jungen Jahren den Stolz und die Stigmatisierung seiner Vorfahren über die tragische Erstbesteigung. Der seelische Schmerz wegen der Tragödie beim Abstieg war eine Bürde, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde.

Es herrschte ein Gefühl der Ungerechtigkeit, besonders in der Gemeinde, dass die Version der Ereignisse, wie sie die Taugwalders schilderten, übergangen worden sei. Doch niemand traute sich damals zu reden. Aus Angst, die noch in den Kinderschuhen steckende Tourismus-Industrie zu behindern, die durch die historische Besteigung eben erst entfesselt worden war.

Als Kind verkaufte Matthias bei den wiederkehrenden Feierlichkeiten Erinnerungs-Pins jener Besteigung, die den Kultberg, das Dorf und ihren Familiennamen unauslöschlich brandmarkte. Als ihn ein Journalist des damaligen Radios DRS (heute SRF) einmal fragte, was er über diese Geschichte denke, fiel ihm keine Antwort ein.

Heute hat er viel mehr zu sagen: “Die Öffentlichkeit kennt nur Whympers Version der Geschichte, die quasi als offizielle Version der Erstbesteigung des Matterhorns gilt”, so Taugwalder. Dabei nimmt er Bezug auf Whympers beliebte Berichte des Aufstiegs in Büchern wie “Scrambles Amongst the Alps” und dessen Erklärungen gegenüber der englischen Presse, die sich im Laufe der Zeit widersprachen und immer umfangreicher wurden. “Da fragte ich mich, ob meine Vorfahren wirklich keine Möglichkeit hatten, ihre Geschichte zu erzählen.”

Peter Taugwalder Junior (links) und Peter Taugwalder Senior (rechts) mit Kunden vor der Besteigung des Mont Blanc 1866. (2015 by Matthias Taugwalder / CONCEPT360 GmbH.)Peter Taugwalder Junior (links) und Peter Taugwalder Senior (rechts) mit Kunden vor der Besteigung des Mont Blanc 1866.

Taugwalder ging es auch darum, den Ruf seiner Familie zu rehabilitieren, die lange unter der öffentlichen Faszination, Spekulationen in der Presse und Schuldzuweisungen litt. Seine Anstrengungen spiegeln das Gefühl in Bergdorf Zermatt, nun sei die Zeit gekommen, die Leistungen der Taugwalders stärker zu honorieren.

Lord Douglas’ Leiche wurde bis heute nicht gefunden.

Schon lange gilt als gesichert, dass der unerfahrenste Bergsteiger der Siebnergruppe, der Brite Douglas Hadow, ausrutschte und stürzte. Dabei riss er Reverend Charles Hudson, Lord Francis Douglas und den Bergführer Michel Croz aus dem französischen Chamonix, den letzten Mann am Seil, mit sich in den Tod. Lord Douglas’ Leiche wurde bis heute nicht gefunden.

Weniger klar ist, warum das dünne Kletterseil aus Manilahanf zwischen Douglas und seinem Bergführer, Taugwalder Senior, der sich an einem Stück Seil und dem Fels retten konnte, gerissen war. Doch auch das dickere Seil, das sie mitführten, wäre laut neusten Untersuchungen gerissen. Whymper war angeseilt zwischen Taugwalder Vater und Sohn, der sich am Anfang des Seils befand. “Sie retteten Whymper das Leben”, sagt Matthias.

Sein Cousin Josef (50) und dessen Sohn David (23) helfen auch mit, die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen. Sie sind ungefähr im gleichen Alter wie das Vater-Sohn-Gespann ihrer Vorfahren bei der Erstbesteigung und spielen diesen Sommer in Zermatt in einem Freilicht-Theaterstück die beiden berühmten Bergführer.

Auch das Schweizer Fernsehen SRF zeigte mit “Tatort Matterhorn” einen dokumentarischen Zweiteiler in bester Krimi-Manier, um endlich Licht in das ungelöste Rätsel zu bingen. Mit Mitteln der neuesten wissenschaftlichen Gerichtmedizin kamen die Autoren der Dokumentation zum Schluss, dass Whymper beim Aufstieg das dickere Seil zerschnitten hatte, um als Erster den Gipfel zu erreichen. Deshalb musste beim Abstieg auf das dünnere Reserveseil zurückgegriffen werden – mit den bekannten katastrophalen Folgen.

Auch wenn offizielle Untersuchungen sie von allem Verdacht freisprachen, meinte es die Geschichte nicht gut mit den Taugwalders. Die traurige Berühmtheit ruinierte Taugwalder Senior fast das Leben und bedrohte die Bergsteiger-Karriere seines Sohns. Whymper trat als – wenn auch verfolgter – Held hervor. Dies vor allem dank seinen eigennützigen Erzählungen.

“Ich will Sie nicht mit Details unseres Abstiegs belasten. Es reicht zu sagen, dass ich während mehr als zwei Stunden danach dachte, jeder Moment könnte mein letzter sein. Die beiden Taugwalders, vollkommen entnervt, weinten wie Kleinkinder und zitterten derart, dass sie uns mit dem Schicksal der anderen bedrohten.” Dies schrieb Whymper dem Schweizer Geologen und Alpinisten Edmund von Fellenberg zwei Wochen nach der Erstbesteigung. Er weigerte sich, jegliche Verantwortung für die Tragödie zu übernehmen.

“Ein einziger Ausrutscher oder ein falscher Schritt war der Grund für all dieses Elend.” In seinen ersten Berichten allerdings hatte Whymper erklärt, den Bergführern Taugwalder könnten überhaupt keine Vorwürfe gemacht werden.

Erst ein halbes Jahrhundert später lieferte Taugwalder Junior einen schriftlichen Bericht über den Unfall ab, in dem er betonte, es sei Whymper gewesen, der von den Ereignissen emotional überlastet gewesen sei.

“Man kann sich denken, wie uns zu Mute war. Vor Schreck konnten wir uns eine Zeitlang nicht mehr rühren. Endlich probierten wir vorwärts zu kommen. Doch Whymper zitterte, dass er kaum einen sicheren Schritt tun konnte. Mein Vater stieg voraus, kehrte immer wieder um und setzte von Whymper die Beine in die Felsabsätze. Oft und oft mussten wir Halt machen und uns erholen, denn es war uns nicht wohl zu Mute”, schrieb Taugwalder Junior laut Original-Dokumenten, die Matthias Taugwalder aufgestöbert hat.

Woraus besteht ein Seil?

Kletterseile bestanden zu jener Zeit aus Naturfasern wie Manilahanf, Flachs oder Seide. Sie wurden hauptsächlich dazu benutzt, einen zweiten Bergsteiger hochzuziehen. Es wurde dringend davon abgeraten, sich in solche Seile fallen zu lassen.

Heutige Seile bestehen aus Nylon und haben einen so genannten Kernmantel-Aufbau, der aus einem Kern und einer schützenden Ummantelung besteht. Die während des Zweiten Weltkriegs entwickelten Seile sind viel stärker und langlebiger, in verschiedenen Durchmessern erhältlich und in der Regel einfach zu handhaben. Sie können sich ausdehnen, um Stürze abzufedern, ähnlich einem Stossdämpfer.

Schweizer Experten und Behördenvertreter haben in den letzten Jahren zahlreiche Tests durchgeführt, um herauszufinden, was bei der Erstbesteigung schief gelaufen sein könnte.

Zum 140-Jahre-Jubiläum der Matterhorn-Erstbesteigung testete der Schweizer Bergausrüstungs-Hersteller Mammut ein ähnlich aufgebautes Seil wie jenes, das bei der Katastrophe gerissen war. Demnach sei dieses bei einer Belastung von 300 Kilogramm gerissen, was etwa dem Gewicht von vier erwachsenen Männern entspricht. Gemäss dem Test war es also eher ein Unfall, und nicht ein mutwillig durchtrenntes Seil.

Eine Hälfte des gerissenen Seils wird heute im Matterhorn Museum in Zermatt gezeigt. Das Seil hatten die Männer nur als Ersatzseil mitgenommen. Es war etwa halb so dick und viel schwächer als die anderen beiden vom Londoner “Alpine Club” entwickelten Seile auf der Klettertour.

Die Suche nach der Wahrheit

Mit seiner schlanken Statur und ernsthaftem Auftreten entspricht Matthias Taugwalder dem Profil eines modernen Technologie-Enthusiasten. In seiner Zürcher Wohnung, wo er mit seiner Frau lebt, stehen im Büro zahlreiche Bildschirme und eine massive Harddisk, auf der er seine digitalen Schöpfungen speichert.

Im pionierhaften und unternehmerischen Sinn und Geist seiner Vorfahren begab er sich auf eine “Heldenreise”, wie er selber seine Verwandlung nennt. Er trieb sich voran, um sich langsam von einem übergewichtigen Computer-Nerd mit einer Vorliebe für Virtual Reality zu einem hart arbeitenden Bergsteiger zu entwickeln, der heute gemeinsam mit einigen der Top-Namen der Outdoor-Branche Bilder von sehr exponierten Stellen schiesst. Dafür musste er mindestens 15 Kilogramm abnehmen.

Einer seiner Cousins, der 51-jährige Gianni Mazzone, auch er ein direkter Nachfahre der Bergführer Taugwalder, griff ihm über die mehreren Jahre seiner Verwandlung unter die Arme. Die Familie Taugwalder steht für eine Bergführer-Kultur, die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts tief in Zermatt verwurzelt ist. Mazzone, ein ehemaliger Präsident des Bergführervereins Zermatt, führt die Familientradition weiter. Er hat bereits etwa 300 Führungen auf das Matterhorn geleitet.

Seine Recherchen brachten ihn in verschiedene Teile der Schweiz und Grossbritanniens, wie auch in internationale Archive. In den britischen Nationalarchiven entdeckte er schliesslich die Originalversion des Briefes seines Ur-Urgrossvaters Peter Taugwalder Junior, der nie zuvor veröffentlicht worden war. Lediglich eine englische Version, die dem Londoner “Alpine Club” gehört, war bisher publiziert worden. Aus dieser englischen Übersetzung war eine Deutsche gemacht worden. Doch niemand hatte sich die Mühe genommen, diese Version mit dem deutschen Originalbrief zu vergleichen.

Matthias Taugwalder fand auch eine bisher unbekannte Kurzbeschreibung des Unfalls durch einen Zermatter Priester sowie Einwanderungspapiere der USA, die neue Daten über Peter Taugwalder Senior lieferten. Dieser hatte das Land mit einem seiner Söhne, Friedrich, besucht, der 1899 US-Bürger wurde.

“…Während ihres Abstiegs, nicht weit unterhalb des Gipfels, rutschten die drei erwähnten Engländer einer nach dem anderen aus, das Seil riss bei Pet.[er] Taugwalder Senior, und der Bergführer aus Chamonix, der vorausging und bis dahin sicher stand, fiel um, und diese vier stürzten über die gewaltige Felswand hinunter auf den Gletscher…”

Der Priester war besorgt über “die Brutalität des Alpinismus”, wies aber niemandem die Schuld zu. Für Taugwalder interessant ist, dass diese Bemerkung in einem späteren Kompendium der Schriften des Priesters weggelassen wurde.

Aus den US-Dokumenten will er herausgelesen haben, dass Taugwalder Senior der traurigen Berühmtheit entkommen wollte, die sein Leben ruiniert hatte, und vielleicht seinem jungen Sohn Friedrich – der den tödlichen Sturz der vier Männer mit einem Fernrohr mit angesehen haben soll – die Chance für ein neues Leben geben wollte.

Auch wenn er ein direkter Nachkomme und Zweifler von Whympers Version der Ereignisse bei der Erstbesteigung ist, ging Taugwalder für jemand mit einer derart starken persönlichen Betroffenheit ziemlich objektiv an die Arbeit. Der Geschichtenerzähler in ihm wusste, dass er zurückstehen musste, damit andere ihre eigenen Schlüsse ziehen konnten, warum das Seil zu Schaden kam, nachdem Hadow ausgerutscht war.

Doch es ging ihm eigentlich nicht um eine Sensationsnachricht. Schliesslich weise sein amateurhafter Versuch im Journalismus lediglich auf den Mangel hin, Originaldokumente auszuwerten. Die letzte Wahrheit über die Erstbesteigung sei nicht zu finden, nur miteinander im Wettbewerb stehende Versionen davon. Matthias ist aber überzeugt davon, dass die Taugwalders höchstwahrscheinlich Whympers Leben gerettet haben, und dass sie es ganz sicher nicht verdienten, verhöhnt oder verunglimpft zu werden.

Ein beflecktes Familienerbe

“Unter den Nachkommen der Taugwalders herrscht das Gefühl, dass etwas nicht stimmt.”

Und immer wieder zieht es die Taugwalders an den Berg. Für seine dritte Besteigung des Matterhorns trainierte Matthias mit Gianni Mazzone. Dieses Mal will er die erste umfassende Foto-Dokumentation der Absturzstelle anlegen.

Bei seinen Trainings-Kletterpartien wurde klar, dass er und Mazzone unzählige Stunden über das Schicksal ihrer bahnbrechenden, wenn auch missverstandenen Ahnen und über den berühmten Unfall gegrübelt hatten. Wer Zeit mit ihnen verbringt, merkt, dass die Bürde der Erstbesteigung weiterlebt. Jeder der beiden ist auf seine Art getrieben, ein beflecktes Familienerbe zu überwinden.

Wer Mazzone bei seiner Arbeit mit Kunden am Berg beobachtet, versteht, warum sein Ur-Urgrossvater das Seil vor dem Unfall vermutlich um einen Felsen geschlauft hatte. Es ist der Instinkt eines Bergführers, seine Seilschaft immer zu sichern.

Als das Seil unerwartet riss, hätte diese Bewegung drei Menschenleben gerettet. So stellen sich Mazzone und Taugwalder das Ereignis vor. Doch warum sind die Taugwalders in der Schweiz nicht als Nationalhelden bekannt, welche die Erstbesteigung des Symbolberges der Schweiz geschafft – und überlebt – haben? Diese Frage hängt weiterhin über der Familie, und über viele andere im Tal ebenfalls.

“Unter den Nachkommen der Taugwalders herrscht das Gefühl, dass etwas nicht stimmt”, sagte Matthias Mitte Juni bei einer Trainingswanderung am Gornergrat bei Zermatt. “Und viele Leute in Zermatt sind der gleichen Meinung.”


Übersetzung aus dem Englischen: Christian Raaflaub

Schneider-Ammann unterzeichnet Bildungsabkommen mit den USA

VOAL – WASHINGTON -Bundesrat Johann Schneider-Ammann unterzeichnet am Donnerstag in der amerikanischen Hauptstadt Washington ein Abkommen mit der US-Regierung, das die Zusammenarbeit der Schweiz und der USA in der Berufsbildung fördern soll.

Auf seiner einwöchigen Tour durch die Vereinigten Staaten ist der Wirtschaftsminister in Washington eingetroffen. Bei einem Empfang auf der Schweizer Botschaft am Mittwochabend vor Wirtschafts-, Wissenschafts- und Politik-Vertretern warb Schneider-Ammann dafür, das Schweizer Modell der Berufslehre auch in den USA anzuwenden.

Das System, dass junge Arbeitskräfte berufsbegleitend weiter in der Ausbildung sind, ist in den USA weitgehend unbekannt. Die Schweiz bemüht sich, den Amerikanern dieses Modell nahe zu bringen.

An dem Empfang auf der Schweizer Botschaft legte Schneider-Ammann Vertretern der US-Politik und Wirtschaft dar, wie eine Berufslehre willigen Arbeitskräften die Grundlage für eine erfolgreiche Karriere liefern kann, ohne dass höhere Schulen besucht werden müssen.

Die Schweiz stelle so sicher, dass auch das Handwerk gefördert werde, nicht nur akademische Positionen. Der Bundesrat brachte das Beispiel seiner Tochter an, die ihre Karriere ohne höhere Bildung in Angriff genommen hat.

Mehr Handel mit Bio-Produkten

Bei seinem Besuch in Washington trifft Schneider-Ammann zudem mit Vertretern des US-Landwirtschaftsministeriums zusammen. Der Wirtschaftsminister unterzeichnet dabei ein Abkommen, mit dem der Handel von Bio-Produkten zwischen der Schweiz und den USA verstärkt werden soll.

“Das Abkommen verringert den Aufwand der Bundesverwaltung, erschliesst neue Möglichkeiten für den Handel, und wird eine positive Auswirkung auf den Arbeitsmarkt in beiden Staaten haben”, sagte Schneider Ammann.

sda-ats

Schneider-Ammann trifft Schweizer Google-Mitarbeiter in Kalifornien

VOAL – Auf seiner USA-Reise hat Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann am Dienstag (Ortszeit) den Google-Hauptsitz im kalifornischen Mountain View besucht. Neben zwei Führungskräften traf er dort einen Google-Mitarbeiter der ersten Stunde, den Schweizer Urs Hölzle.

Der achte Angestellte des Internetkonzerns ist heute für die globale Infrastruktur zuständig. Im Gespräch mit dem Bundesrat und der Delegation habe sich Hölzle unter anderem dazu geäussert, wie Google mit Akquisitionen umgehe, sagte Schneider-Ammanns Sprecher Noé Blancpain.

Beim Austausch mit zwei weiteren Google-Führungskräften aus dem Bereich Entwicklung sowie der Forschungsabteilung Google X, stand wie bereits am Vortag die Innovation im Fokus. Insbesondere ging es darum, wie eine Innovationskultur bei einem Grosskonzern erhalten bleiben kann. Dabei zeigte sich etwa, dass die Arbeit beim Internetgiganten projektbasiert und weniger von Abteilungs- oder Hierarchiedenken geprägt ist.

Zudem verschwänden hier Branchengrenzen zusehends. So sei etwa klar zum Ausdruck gekommen, wie wichtig der Health- und Lifesience-Bereich bei Google mittlerweile ist. Angesprochen wurde auch die Privatsphäre-Diskussion mit dem Problem der internationalen Rechtsräume.

Der Wirtschaftsminister zeigte sich nach dem Besuch beeindruckt von der Geschwindigkeit, mit der sich Google seit 1998 vom Zwei-Mann-Startup zum 50’000-Mitarbeiter-Weltkonzern entwickelte. Schneider-Ammann lobte zudem die Breite des Angebots, und dass sich Google immer wieder in neue Geschäftsfelder vorwage.

Workshop zu Innovation

Auf dem Programm standen auch Besuche bei zwei wissenschaftlichen Institutionen: Während an der Universität Berkeley die Aufmerksamkeit verschiedenen Modelle von Innovationsparks galt, absolvierte die Delegation um Schneider-Ammann an der Universität Stanford einen Workshop zu Innovationsprozessen. Dabei wurde erörtert, welche Elemente für Innovation wichtig sind; etwa eine Idee rasch zu einem Prototypen umsetzen sowie Team- und Feedbackprozesse.

Auffallend sei bei sämtlichen Begegnungen im Silicon Valley gewesen, dass man auf “sehr charismatische Menschen traf, die ihre Ideen gut verkaufen können”, sagte Blancpain. Bundesrat Schneider-Ammann bekräftigte zum Abschluss, dass die Zusammenarbeit zwischen den Universitäten in der Schweiz und in Kalifornien verstärkt werden soll.

Am Mittwoch reist der Wirtschaftsminister weiter in die Hauptstadt Washington, wo er sich mit Vertretern der US-Regierung und Kongressmitgliedern trifft. Er wird dort eine Absichtserklärung zur Berufsbildung sowie eine Vereinbarung zur gegenseitigen Anerkennung der Bio-Vorschriften beider Länder unterschreiben. Der USA-Aufenthalt endet am Freitag.

sda-ats

Der fliegende Pöstler: Tests mit Drohnen im Kanton Bern

VOAL – BERN – Die Schweizerische Post probt den Einsatz von Drohnen. Erste Testflüge finden diesen Monat im Kanton Bern statt. Die “fliegenden Postboten” könnten künftig Pakete in abgelegene Gebiete liefern.

Bei den Testflügen im Seeland wollen die Projektverantwortlichen zunächst herausfinden, wie sich die Drohnen unter verschiedenen meteorologischen Einflüssen verhalten.

Für die Zukunft schweben der Post verschiedene Anwendungsmöglichkeiten vor, wie es am Dienstag an einer Medienkonferenz in Bas-Vully FR hiess. Denkbar seien etwa Einsätze in Notsituationen, beispielsweise die Versorgung einer Siedlung, die nach einem Unwetter von der Umwelt abgeschnitten ist.

Eiltransporte per Drohne

Ebenfalls realistisch ist laut der Post der Eiltransport von Laborproben. Die unbemannten Flugobjekte könnten auch dringend benötigte Medikamente in abgelegene oder abgeschnittene Bergdörfer bringen.

Bevor es so weit ist, sind allerdings einige technische Hürden zu überwinden, darunter die eingeschränkte Batterielaufzeit. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen noch eingehend geklärt werden. Ein kommerzieller Einsatz ist laut Post frühestens in fünf Jahren realistisch.

Am “Projekt Phoenix” beteiligen sich auch die Swiss WorldCargo – die Luftfrachtdivision von Swiss – sowie Matternet, ein Drohnenhersteller mit Sitz in Kalifornien.

Die Drohne des Typs Matternet ONE ist speziell für den Transport von kleinen Lieferungen ausgelegt. Das Fluggerät ist äusserst leicht gebaut und stark genug, um mit einer einzigen Batterieladung ein Kilogramm über 10 Kilometer hinweg zu befördern.

Begrenzter Einsatz

Dass Drohnen dereinst den Pöstler ersetzen und die flächendeckende Paket-Zustellung übernehmen, hält PostLogistics-Chef Bambauer für unrealistisch. “Mit täglich über 500’000 Postpaketen ist dies in unserem schon heute strapazierten kleinen Luftraum kaum vorstellbar.”

sda-ats

Neuer Hitzerekord für die Alpennordseite

VOAL – GENF – Auf der Alpennordseite sind am Dienstagnachmittag die höchsten je gemessenen Temperaturen registriert worden. Den Tageshöchstwert erreichte Genf mit 39,7 Grad. Auch andere Orte verzeichneten Rekorde, bevor erste Gewitter der Hitzewelle ein Ende bereiteten.

Der Hitzerekord in Genf wurde um etwa 16 Uhr gemessen. Der bisherige Rekord in Genf datierte vom 28. Juli 1921 mit 38,9 Grad, wie ein Meteorologe von MeteoSchweiz der Nachrichtenagentur sda sagte. In Delsberg im Jura wurde im Juli 1983 mit 38,8 Grad der nächstfolgende Höchstwert auf der Alpennordseite verzeichnet.

Der absolute Temperaturrekord in der Schweiz in Grono in Südbünden bleibt vorerst unerreicht. Am 11. August 2003 waren dort 41,5 Grad Hitze gemessen worden.

Bemerkenswert ist laut SRF Meteo, dass die älteren Höchstwerte jeweils noch in Wetterhütten gemessen wurden. Bei Hitzewellen liegen die dort gemessenen Temperaturen 1 bis 1,5 Grad höher als bei Messungen mit modernen Messfühlern. Der höchste Wert mit modernen Fühlern stammt laut dem SRF-Wetterdienst vom 13. August 2003 in Basel mit 38,6 Grad.

Zahlreiche Rekorde in der Westschweiz

Auch an anderen Westschweizer Messstationen und sogar an zwei Deutschschweizer Stationen gab es die höchsten je gemessenen Temperaturen. In Bern wurde mit 36,8 Grad ein neuer Höchstwert gemessen. Der bisherige Rekord stammte vom 13. August 2003 mit 36,7 Grad. Der Rekordwert der Aare in Bern – 23,5 Grad im Jahr 2003 – bleibt vorderhand bestehen: Zum Abschluss der Hitzewelle war das Wasser bis 22,8 Grad warm. Auch in Wynau BE bedeuteten die 37,2 Grad einen Temperaturrekord.

Rekorde gab es auch in Changins bei Nyon VD mit 38,0 Grad, in Neuenburg mit 37,8 Grad, in Freiburg mit 36,6 Grad und in Payerne VD mit 37,9 Grad. In Sitten wurde der bisherige Rekord aus dem Hitzejahr 2003 mit 37,8 Grad egalisiert. Bemerkenswert auch der Rekord von La Frétaz im Jura: Auf 1200 Metern über Meer kletterte die Quecksilbersäule dort auf einen Wert von 29,9 Grad gemessen.

Nächtlicher Rekord in Lugano

In der Deutschschweiz war es am Dienstag verbreitet zwischen 34 und 36 Grad, aber weitere Höchstwerte gab es nicht. Einen Rekord der anderen Art stellte Lugano auf: Dort wurde in der Nacht auf Dienstag ein Tiefstwert von 25,4 Grad gemessen. Damit handelte es sich um die wärmste Nacht seit Messbeginn.

Am späteren Nachmittag setzten im Jura und den Westschweizer Alpen erste Gewitter ein und bereiteten der Hitzewelle ein vorläufiges Ende. Mit sieben sogenannten Hitzetagen von über 30 Grad handelte es sich um eine der extremsten Hitzeperioden, wohl vergleichbar mit jener des Sommers 2003, wie ein Meteorologe weiter sagte.

Auf der Alpensüdseite wird die Hitzewelle vorerst noch weitergehen. Auf der Alpennordseite dagegen wird es ab Freitag zwar wieder über 25 Grad warm, Hitzetage mit 30 Grad und mehr dürfte es dort aber vorerst nur noch vereinzelt geben.

Für die Nacht auf Mittwoch wurden im Vorfeld der Kaltfront, die von Westen nach Osten über die Schweiz ziehen wird, teilweise heftige Gewitter auch mit Sturmböen und teilweise Hagel erwartet. Das Landschaftstheater Ballenberg verschob die erste Aufführung von “Ueli der Knecht” aus Sicherheitsgründen von Dienstag- auf Mittwochabend. Die Veranstalter wollten wegen der erwarteten heftigen Gewitter nichts riskieren.

sda-ats

Als “The Greatest” in der kleinen Schweiz boxte

1971 besiegte Muhammad Ali in Zürich den deutschen “Underdog” Jürgen Blin. Der Fotograf Eric Bachmann begleitete den schillernden Weltstar tagelang bei den Vorbereitungen auf seinen Kampf. Die Bilder sind Sportdokumente, die den Betrachter die Grösse Alis als Sportler und als Persönlichkeit spüren lassen.

Der Kampf von Ali im Zürcher Hallenstadion am 26. Dezember 1971 gegen den unbekannten Jürgen Blin kann nicht mit dem “Thrilla in Manila” und vor allem dem “Rumble in the Jungle” mithalten. Mit diesen legendären Fights und Siegen über George Foreman resp. Joe Frazier ging Ali endgültig in die Box- und Sportgeschichte ein.

Im Gegensatz zu diesen glamourös inszenierten Grossereignissen zeigen Eric Bachmanns Schwarzweiss-Fotos Ali, wie er im winterlichen Wald am Uetliberg herumrennt, in einem Geschäft an der Langstrasse robuste Wanderschuhe “Made in Switzerland” kauft oder beim Schwitzen im öffentlichen Training. Die nüchterne Magie von Bachmanns Bildern findet sich im Band “Muhammad Ali, Zürich, 26.12.1971”, der in der Edition Patrick Frey erschienen ist.

(Bilder: Eric Bachmann; Text: Renat Kuenzi)

Anker-Bild erzielt an Luzerner Auktion 2,3 Millionen Franken

Ein Bild des Schweizer Malers Albert Anker hat am Mittwoch an einer Luzerner Auktion einen Preis von 2,325 Millionen Franken erzielt. Wie Auktionator Kuno Fischer mitteilte, ist das Bild “Das Bad in Crêt” von einem Schweizer Privatsammler ersteigert worden.

Das Bild von 1888 ist 43 auf 90 Zentimeter gross und zeigt eine Schulklasse, die in der Mittagssonne im Neuenburgersee badet. Das Bild zitiere klassische Vorbilder und habe sich an eine wohlhabende und städtische Schicht gerichtet, schreibt das Auktionshaus.

Für Bilder des Seeländer Malers sind auf Auktionen indes auch schon höhere Preise erzielt worden. 2013 wurde in Zürich Ankers Gemälde “Turnstunde in Ins” für 7,5 Millionen Franken verkauft, 2011 für “Die ältere Schwester” 7,38 Millionen Franken gelöst.

Weniger, aber immer noch tief in die Tasche gegriffen wurde auch 2012 in Zürich für das “Strickende Mädchen” (3,35 Millionen Franken) oder im selben Jahr in Luzern für das “Stillleben mit Kaffee” (2,315 Millionen Franken).

sda-ats

Albanische Secondos wollen ins Bundeshaus

Nationalrats-Kandidaten

von Daniel Waldmeier – Bullakaj und Xhemaili statt Fehr und Schläfli: Schweizer mit albanischem Hintergrund kandidieren für den Nationalrat. Schafft bald der erste den Sprung nach Bern?

In der Fussball-Nati sind Namen wie Xhaka, Dzemaili oder Behrami längst nicht mehr aussergewöhnlich. Anders sieht es in der Politik aus: Auf der nationalen Politbühne sucht man balkanstämmige Politiker vergeblich. Dies könnte sich allerdings bald ändern – gleich mehrere Kandidaten mit albanischem Hintergrund versuchen bei den Nationalratswahlen im Herbst ihr Glück.

Bullakaj mit Spitzenplatz

Im Kanton St. Gallen hat Arber Bullakaj, Vize-Präsident der St. Galler SP, gute Wahlchancen – seine Partei hat ihn auf den neunten Listenplatz gesetzt. Er wurde im Kosovo geboren und kam im Alter von acht Jahren in die Schweiz. Auf seiner Homepage beschreibt er sich als «Machertyp von Natur aus». Für ihn ist klar, dass den Einwanderern eine Stimme in der Politik fehlt: «Es heisst immer, das Parlament repräsentiere in unserer direkten Demokratie das Volk. Migranten sind aber stark untervertreten», sagt der 29-Jährige zu 20 Minuten. Aus der albanischen Gemeinschaft verspüre er bereits jetzt riesige Unterstützung.

«Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es ein Albaner nach Bern schafft.» Noch sei er in einer Pionierrolle, allerdings werde die Zahl der Migranten und Secondos, die sich in der Schweiz politisch engagieren, «exponentiell ansteigen». Er glaubt, dass er viele Probleme der Migranten aus einer anderen Perspektive sehe und so auch Lösungen anzubieten habe, etwa bei Integrationsfragen. «Zum Beispiel habe ich in Wil Vorstösse lanciert, weil die Einbürgerungsgebühren mit 2500 Franken für eine Familie viel zu hoch sind. Solche Hürden verhindern die Integration.»

Arber Bullakaj, Vize-Präsident der St. Galler SP, wurde im Kosovo geboren. Ihm attestieren Beobachter die besten Wahlchancen.
Im Dunstkreis der Macht: Jungpolitiker Shpetim Xhemaili traf sein Idol, Verkehrsministerin Doris Leuthard.
 
Wollte sich nicht verheizen lassen und zog seine Kandidatur deshalb zurück: EVP-Politiker Blerim Bunjaku.
Auch Christdemokraten setzen auf Balkan-SchweizerFür die junge CVP im Kanton Solothurn tritt Shpetim Xhemaili (25) an. Er wurde in der Schweiz geboren, seine Eltern stammen aus Mazedonien: «Ich möchte mit meiner Kandidatur dazu beitragen, dass auch Schweizer mit albanischen Wurzeln vermehrt an die Urnen gehen.» Obwohl er Muslim ist, sei die CVP für ihn die ideale Partei, welche seine Werte vertrete. So sei für ihn die Familie, ein Kernanliegen der CVP, «das höchste Gut». Als grosses Idol bezeichnet Xhemaili Verkehrsministerin Doris Leuthard, die er kürzlich im Bundeshaus getroffen hat.

Xhemaili hofft nicht, dass ihn das Wahlvolk nur wegen seines Namens von der Liste streichen wird: «Es gibt in jedem Land gute und schlechte Bürger. Die albanischen Wurzeln sind mir zwar wichtig, aber meine Heimat ist die Schweiz.»

«Secondos interessieren sich kaum für Schweizer Politik»

Seine Nationalratskandidatur wieder zurückgezogen hat dagegen der muslimische Ex-EVP-Politiker Blerim Bunjaku, der aus dem Kosovo stammt und seine Partei letzte Woche im Streit verliess. Er erachtete seine Wahlchancen als zu klein. «Die Parteien stellen albanischstämmige Kandidaten als Stimmenlieferanten auf, welche neue Wählerpotentiale erschliessen sollen. Ich glaube aber nicht, dass ausser Arber Bullakaj ein Kandidat mit albanischen Wurzeln reelle Wahlchancen hat.»

Bunjaku sieht dafür zwei Gründe: Erstens würden sich viele eingebürgerte Albaner kaum für Schweizer Politik interessieren. Man sei besser über die Politik im Heimatland informiert. Deshalb brauche es auch viele Stimmen von «Eidgenossen», wie Bunjaku sagt. «Der Ruf der Albaner profitiert zwar von den Fussballern in der Nati, aber es gibt noch immer viele Vorurteile: Es heisst, Albaner seien Hilfsarbeiter, kriminell, unkultiviert oder Drogendealer.» Auch in seiner ehemaligen Partei sei er wegen seiner Religionszugehörigkeit angefeindet worden.

Nur wenige Parlamentarier haben Migrationshintergrund

Betrachtet man die aktuelle Zusammensetzung des 200-köpfigen Nationalrats, finden sich gemäss einer Analyse des Politologen Nenad Stojanovic von der Universität Luzern nur rund 15 Namen, die vor 1939 kein Schweizer Bürger trug. Auf der Liste sind italienische Namen, aber auch österreichische (Oskar Freysinger) oder deutsche (Aline Trede) sind darunter. Nicht erfasst wurden mit dieser Methode Eingebürgerte, die den Namen des Gatten angenommen haben, etwa Ada Marra (Italien) oder Yvette Estermann (Slowakei).

Im Ständerat gibt es mit dem eingebürgerten Claude Janiak (Polen) nur eine Person mit Migrationshintergrund – bei 46 Sitzen./20 Minuten

NOCH DREI MÖGLICHE NEUE NATIONALHYMNEN SIND IM RENNEN

 

 

Im Wettbewerb für eine mögliche neue Nationalhymne sind noch drei Lieder im Rennen. Die Vorschläge haben neue Texte, basieren aber alle mehr oder weniger auf der bewährten Schweizerpsalmmelodie von Alberich Zwyssig. Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG) hat die drei Finalisten am Freitag auf dem Rütli vorgestellt. Sie hatten sich zwischen dem 30. März und dem 15. Mai in einer Online-Abstimmung gegen drei Mitbewerber durchgesetzt.

 

 

Der Final beginnt am 8. Juni und dauert bis am 6. September. In dieser Zeitspanne können auf den Seiten www.nationalhymne.ch oder www.chymne.ch Stimmen abgegeben werden. Der Gewinner wird am 12. September in der TV-Sendung “Potzmusig” von SRF1 bekannt gegeben.

 

Bundesverfassung stand Patin

 

Die drei Finalhymnen “Weisses Kreuz auf rotem Grund, unser Zeichen für den Bund”, “Wir, das Volk der Freiheit, leben für die Einheit” und “Wir alle, wir stehen, unser Land anzusehen” orientierten sich an der Präambel der Bundesverfassung, schreibt die SGG. Der Text von Leonhard Widmer (“Trittst im Morgenrot daher, seh’ ich dich im Strahlenmeer”) wird somit aufgegeben.

 

 

Melodisch stellen sich die drei Finalhymnen indes in die Tradition der heutigen Nationalhymne, des 1841 komponierten Schweizerpsalms. Ein Finalist verwende vollständig die von Alberich Zwyssig komponierte Melodie, schreibt die SGG. Einer benutze sie als Grundlage, und einer verwende sie modifiziert im Refrain. Wer die drei Lieder komponiert und getextet hat, ist noch geheim.

 

 

Die Anonymität werde bei der Verkündung des Siegerbeitrages aufgehoben, teilte die SGG mit.

 

 

Bund entscheidet

 

Die SGG möchte, dass die Siegerhymne zur neuen Nationalhymne wird. Sobald der Siegerbeitrag die nötige Popularität habe, werde sie die Bundsbehörden bitten, den Beitrag zur neuen Nationalhymne zu bestimmen.

 

Die SGG hatte das Projekt neue Nationalhymne vor zwei Jahren lanciert. Sie habe mit dem Wettbewerb eine Debatte über das Staatsverständnis, die Identität und die Werte der Schweiz ermöglichen wollen, schreibt sie. Nicht überall stiess die Idee, eine modernere Landeshymne zu schaffen, auf Zustimmung. Die SGG ist aber der Ansicht, dass die fundamentale Opposition abgenommen habe. sda-ats

Timea Bacsinszky spielt gegen Serena Williams um den Finaleinzug

VOAL – PARIS – Timea Bacsinszky spielt am French Open in Roland-Garros heute am späten Nachmittag als krasse Aussenseiterin gegen Serena Williams um den Einzug in den Final.

Vor dem diesjährigen Roland-Garros war der Sechzehntelfinal die Bestmarke von Timea Bacsinszky an einem Grand-Slam-Turnier gewesen. Nun bietet sich ihr die Chance, heute als zweite Schweizerin nach Martina Hingis in einen Major-Final einzuziehen. Die Hürde ist allerdings hoch: Es wartet mit Serena Williams die Nummer 1 der Welt, die bereits 19 Grand-Slam-Turniere für sich entschieden hat.

Wie auch immer das heutige Duell endet, der Parcours von Bacsinszky in Paris ist auch so bereits herausragend. Die Waadtländerin, die am Montag ihren 26. Geburtstag feiert, erreichte als erste Schweizerin seit Patty Schnyder (2004 in Melbourne) einen Grand-Slam-Halbfinal. In Paris liegt der letzte Halbfinal mit Beteiligung einer Schweizer Spielerin sogar schon 14 Jahre zurück (Martina Hingis).

Heute steht Bacsinszky aber vor der schwierigsten Aufgabe im Frauen-Tennis überhaupt. Die 33-jährige Serena Williams gewann seit ihrem Debüt auf der Profi-Tour 66 Turniere, davon zwei in Roland-Garros, verdiente 67,5 Millionen Dollar an Preisgeld und ist derzeit in ihrer 243. Woche als Nummer 1 der Welt. “Sie ist ein grosser Champion”, sagte Bacsinszky, fügte aber an: “Wenn ich auf den Court komme, versuche ich immer den letzten Punkt zu gewinnen, egal wer auf der anderen Seite steht.”

In den letzten Tagen trat Williams nicht immer überzeugend auf. Vor ihrem ungefährdeten 6:1, 6:3 gegen die Italienerin Sara Errani (WTA 17) im Viertelfinal hatte sie dreimal Mühe bekundet und in drei Sätzen gewonnen. Gegen Bacsinszky spielte sie bislang zweimal und gewann jeweils ohne Satzverlust, zuletzt im März in Indian Wells mit 7:5, 6:3. “Ich hatte gut gespielt”, erinnerte sich Bacsinszky. Und das obwohl sie damals nach der Erfolgsserie mit zwei Turniersiegen ihren 14. Match innerhalb von vier Wochen bestritt. “Diesmal bin ich frischer.” Keine der diesjährigen French-Open-Halbfinalistinnen stand bislang weniger lang auf dem Platz und gab weniger Games ab als Bacsinszky.

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WAWRINKA DEKLASSIERT FEDERER UND STEHT IM HALBFINAL

VOAL – PARIS – Stan Wawrinka entscheidet das Schweizer Duell im Viertelfinal des French Opens deutlich für sich. Der Waadtländer schlägt den Baselbieter 6:4, 6:3, 7:6 (7:4).

Wawrinka steht beim elften Versuch erstmals in Paris im Halbfinal. Der Weltranglisten-Neunte war im Schweizer Duell der stärkere Spieler und kam verdient zum dritten Erfolg gegen Federer, dem ersten bei einem Grand-Slam-Turnier. 16 Mal hatte er gegen den scheinbar übermächtigen Landsmann verloren, viermal bei einem Major. Von einem “Federer-Komplex” war aber am Dienstagnachmittag nichts zu sehen.

Wawrinka gab von Beginn an den Ton an. Schon im ersten Game der Partie erspielte er sich dank vier Winners zwei Breakchancen, die er nicht nutzte. Federer hatte kaum mal ein ruhiges Aufschlagsspiel. Wawrinka drückte wenn möglich gnadenlos aufs Tempo und schlug zudem sehr stark auf. Im ersten Satz boten sich Federer vier Möglichkeiten den zum 1:3 eingehandelten Breakrückstand wettzumachen. Viermal wehrte Wawrinka die Versuche von Federer souverän und zum Teil brillant ab.

Federer zeigte in seinem 44. Grand-Slam-Viertelfinal sicherlich nicht seine beste Leistung. Doch ihm blieb angesichts der Überlegenheit von Wawrinka nichts anderes übrig, als Neues zu versuchen. Auf alles wusste der Australian-Open-Champion eine Antwort. Im bisherigen Verlauf des Turniers waren Netzangriffe für Federer ein gutes Mittel gewesen, nicht so gegen Wawrinka. Dieser erspielte sich das Break im zweiten Umgang zum 4:3 nach einem Netzangriff von Federer und bereitet etwas später den Satzgewinn mit zwei herrlichen Passierbällen vor.

Im dritten Umgang war Wawrinka nicht mehr so präsent und überlegen. Im Tiebreak zeigte er von der Grundlinie aber wieder seine ganze Klasse. Der Waadtländer marschierte ohne sichtbare Nervenanspannung Richtung Sieg. Nach zwei Stunden und neun Minuten verwertete er den zweiten Matchball mit einem Volley.

Im Halbfinal trifft Wawrinka am Freitag entweder auf den Einheimischen Jo-Wilfried Tsonga (ATP 15) oder den Japaner Kei Nishikori (ATP 5).

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FEDERER UND WAWRINKA DUELLIEREN SICH IM VIERTELFINAL

VOAL – Heute gegen 16.00 Uhr stehen sich Roger Federer und Stan Wawrinka zum fünften Mal bei einem Grand-Slam-Turnier gegenüber.

Zusammen haben Federer und Wawrinka Olympiagold und den Davis Cup gewonnen. Wenn sie bisher gegeneinander antraten, hiess der Sieger meistens Federer. Er entschied 16 der bisher 18 Begegnungen für sich, unter anderem die vier auf Grand-Slam-Niveau, wovon zwei ohne Satzverlust in Roland Garros. Wawrinka, der seine beiden Erfolge in Monte Carlo (2009 und 2014) feierte, sagt unumwunden und mit einem etwas bitteren Lächeln auf den Lippen: “Gegen Federer ist es für mich immer schwierig.”

Das Mentale wird heute eine grosse Rolle spielen. Aber auch taktisch ist das Duell eine Herausforderung, erklärt Federer: “Wir wissen genau, in welche Zone der andere am liebsten spielt. Deshalb müssen wir etwas von unserer traditionellen Spielweise abkommen.” Trotzdem freue er sich immer auf die Partien gegen Wawrinka: “Ich sehe es positiv. Ein Schweizer wird im Halbfinal stehen.”

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